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Planungstechniken

Kreativitätstechnik Zukunftswerkstatt (mit Beispiel)

Die "Zukunftswerkstatt" ist eine Methode, bei der durch differenzierte Fragestellungen in unterschiedlichen Phasen an einem Problem bzw. dessen Lösung gearbeitet wird, um die Zukunft vorausschauend und phantasievoll zu gestalten.

Im gewählten Beispiel treffen sich engagierte Mädchen und Frauen des Vereins, um sich systematisch mit den Problemen des Austretens vieler Mädchen aus dem Verein zu Beginn der Pubertät, mit dem fehlenden Sportangebot für Mädchen und Frauen sowie mit der Übermacht von Männern in Vorstandspositionen zu befassen.

Die Methode umfasst die folgenden drei Hauptphasen:

  1. Beschwerdephase und Kritikphase
    Die Teilnehmer äußern - möglichst frei von Zwängen und Einflüssen - Kritik, negative Erfahrungen zum ausgewählten Thema.
  2. Fantasiephase und Utopiephase
    Jetzt ist die Kreativität jedes Einzelnen gefragt. Jeder soll das Utopische denken. Hier darf und soll fantasiert werden.
  3. Verwirklichungsphase und Praxisphase
    Nun werden die ersten beiden Phasen verknüpft. Es wird abgeschätzt, was realisierbar ist.

Nun zum Beispiel "Austreten vieler Mädchen aus dem Verein":

Phase 1 (Beschwerdephase und Kritikphase)

Kritikphase bedeutet eine Kritiksammlung anhand von provozierenden Fragen wie: Was stört Dich? Was missfällt Dir? Was hast Du zu kritisieren? Die Stichwortsammlung wird für alle an der Wand aufgelistet.

Wichtig: die Personen müssen sich kurz fassen (max. 30 Sek.), jede Kritik auflisten und Grundsatzdiskussionen vermeiden.

Nachdem genug Kritikpunkte gesammelt und an der Wand aufgelistet sind, werden die Punkte thematisch geordnet und nach ihrer Bedeutung bewertet und gewichtet.

Die einzelnen Kritikpunkte werden erläutert und jeder Teilnehmer bekommt 3 - 7 Punkte, mit denen er einzelne Kritikpunkte priorisieren darf.

Alle Kritikpunkte werden thematisch geordnet zu Kritikthemenkreisen. Solche Kritikthemenkreise können sein:

Fehlende Vielfalt von Bewegungsangeboten
Mangelnde Anzahl von Übungsleiterinnen
Kommunikationsstrukturen
Entwicklung/Lebenswelten von Mädchen, Elternhaus
Lebenslagen von Frauen
Männer und Macht

Anschließend können sich zu den Themenkreisen Kleingruppen zusammenfinden, die aus den Stichworten des Themenkreises eine umfassendere Aussage/These entwickeln;

z. B. Stichwort Kommunikationsstrukturen:

Mädchen zu Beginn der Pubertät haben wenig Interesse am Kontakt mit gleichaltrigen Jungen, usw.

Phase 2 (Fantasiephase und Utopiephase )

In der Fantasiephase werden in freien Assoziationen Wunschwelten, die langsam Gestalt annehmen, aus spontanen Einfällen, sich daran anknüpfenden Bildern, Verfremdungen und dem Weiterverfolgen von Gedankenketten erfunden. "Die Wirklichkeit spielt keine Rolle! Im Denken ist alles erlaubt, alles geht und ist möglich!"

Vor dem Start in die zweite Phase ist es ratsam, Lockerungsübungen und kleine Phantasiespiele mit der Gruppe durchführen, damit die Gedanken von Phase 1 gelöst werden.

Als nächstes werden die Kritikergebnisse (Kritikstichpunkte) in positiver Form auf Papierbogen umformuliert, z. B. "keine Hallenzeit für Mädchentanzgruppe" - "keine Halle mit Spiegelwand ohne Einblickmöglichkeiten von außen".

Im nächsten Schritt erfolgt eine Ideensammlung:

Jeder Teilnehmer ruft spontan realistische wie unrealistische Vorschläge in den Raum.

Ideen werden auf Wandpapieren festgehalten.

Kritik an Äußerungen ist verboten.

Anschließend wird die Fantasieauswahl unter folgender Fragestellung durch eine Punktevergabe geordnet:

Welche Neuerungen wünschen wir uns in der Zukunft?

Welche Vorschläge / Ideen möchten wir verwirklicht sehen?

Durch Auswahl und Zusammenfassung der Vorschläge wird eine Ideenbank entwickelt. Im Anschluss daran werden Phantasiethemenkreise entwickelt, d. h. die Punkte der Ideenbank werden thematisch geordnet. Dies passiert in der Gesamtgruppe. Anschließend bilden sich Kleingruppen (max. 10 Personen), die die Ideen / Wunschvorstellungen / Fantasien zusammenhängend skizzieren.

Phase 3 (Verwirklichungsphase und Praxisphase)

Der Einstieg in die Verwirklichungsphase erfolgt über die Vorstellung und Diskussion der Fantasieergebnisse. Hierzu geben die folgenden Verwirklichungsschritte eine Orientierung:

Die utopischen Entwürfe, Vorschläge und Erfindungen werden auf ihre Realisierbarkeit hin geprüft.

Inwieweit lassen sie sich jetzt schon in Angriff nehmen?
Gibt es bereits reale Ansätze in dieser Richtung?

Welche Hindernisse stehen dem entgegen?

 

Nachdem die Fantasieresultate geprüft und Verwirklichungsziele gefunden sind, werden Kleingruppen gebildet, in denen Durchsetzungsvorschläge erdacht werden, wenn möglich mit konkreter Maßnahmenplanung. (Begleitende Fragen:)

Wie ist das Vorhaben zu finanzieren?
Welches Engagement und welcher Einsatz werden verlangt?
Wie soll es aussehen, wenn es fertig ist?

Danach werden praktische Schritte erarbeitet (Strategie).

Woran muss unbedingt festgehalten werden?

Gibt es Bündnispartner?

Soll offen oder so lange wie möglich verdeckt vorgegangen werden?

Nachdem die Fantasieresultate geprüft und Verwirklichungsziele gefunden sind, folgt in Kleingruppenarbeit eine erneute Kreativphase, in der Durchsetzungsvorschläge erdacht werden. Danach soll die Gruppe die konkrete Aktionsplanung angehen, indem sie den Vorschlägen bestimmte Maßnahmen zuordnet. Die Umsetzungsgedanken werden schriftlich fixiert.

Ab jetzt geht es in die konkrete Umsetzung. Die einzelnen Maßnahmen müssen sich in der Praxis bewähren. Die Ziele werden im Rahmen eines langfristigen Planes angegangen. In regelmäßigen Abständen trifft sich die Gruppe zu Zwischenauswertungen.

Hier finden Sie Broschüren, Infopapiere und andere Informationen.

Wie funktioiert die Sportförderung in Deutschland?

Eine kleine Link-Übersicht für Sportinteressierte