Vereinsentwicklung
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Kinder und Jugendliche als Mitarbeiter/innen

Anforderungen an die Einsatzfelder jugendlicher Mitarbeiter*innen sowie an die Betreuung und Anerkennung der Arbeit durch Erwachsene

Qualität jugendgerechter Einsatzfelder für freiwillige Mitarbeit

Jugendliche steigen in die Vereinsjugendarbeit am ehesten dann voll ein, wenn die ihnen wichtigen Bedingungen für eine freiwillige Mitarbeit weitestgehend erfüllt sind.

Dazu gehören:

Jugendliche sollen sich ihre Einsatzfelder selbst wählen und nicht zu irgendwelchen Aufgaben überredet   werden.

Der Aufgabenbereich soll klar umschrieben sein (z.B. im Jugendausschuss zuständig für den Jugendteil der Vereinszeitung, in der Übungsgruppe verantwortlich für die Station Bodenturnen).

Werden Jugendliche befragt, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit sie mit Freude und Engagement helfende Tätigkeiten im Verein ausüben, werden solche Aussagen benannt, die mit der Tätigkeit selbst im Zusammenhang stehen: selbst die Tätigkeit auswählen, den Zeitrahmen bestimmen, dabei unterstützt werden und Erfolge spüren und Anerkennung erhalten, mit Gleichaltrigen gemeinsam tätig werden können und angemessen qualifiziert zu werden. Viel weniger wichtig sind ihnen direkte oder indirekte Belohnungen oder Zuwächse an Macht. Es soll schon etwas mit der Tätigkeit bewegt werden, nicht aber in der Weise, anderen dabei den eigenen Willen aufzudrücken.

Originalaussagen von Jugendlichen

"... wenn ich mir die Tätigkeitsfelder selbst aussuchen und eigenverantwortlich handeln kann"

Wenn das Tätigkeitsfeld selbst ausgesucht werden kann, werden zwei wichtige Motive für jugendliches Engagement berücksichtigt:

  • es ist die Möglichkeit gegeben, eigene spezifische Fähigkeiten in die Tätigkeit einzubringen und dasjenige, was der*dem Einzelnen nicht so sehr liegt, ausblenden zu können;
  • und es ist ein hohes Maß an Mitbestimmungsmöglichkeiten gegeben, wenn die Tätigkeit selbst ausgesucht werden kann und innerhalb der Tätigkeit Handlungsschwerpunkte gesetzt werden können.

Engagement soll keine Last darstellen. Die freiwillige Mitarbeit findet in der Freizeit statt, und in solchen Phasen des Tages wollen (nicht nur) junge Menschen Dinge tun, die für sie wichtig sind und die ihnen leicht fallen. Das muss respektiert werden. Im Laufe der Zeit werden sich die Jugendlichen von allein neuen Herausforderungen stellen, an denen sie ihre eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln können.

"... wenn ein überschaubarer Zeitraum nicht überschritten wird"

Dieses Kriterium ist deswegen wichtig, weil Jugendliche ihre Ziele in angemessener Zeit verwirklicht sehen möchten, also nicht so sehr bereit sind, sich für ein sehr langfristiges Ziel hin zu engagieren. Der überschaubare Zeitraum bezieht sich sowohl auf die Stunden innerhalb des Tages bzw. der Woche, an dem/in der noch andere attraktive Freizeittätigkeiten ausgefüllt werden sollen, als auch auf die Zukunft bezogen, weil Jugendliche möglichst ohne Vorwürfe zu bekommen aus einer Tätigkeit wieder aussteigen können möchten. In dem Altersabschnitt Jugend entwickeln sich vielfältige Interessen und manche Wandlungen vollziehen sich in kürzesten Zeitabständen. Dazu passt weder, sich jeden Tag in der Woche für den Verein zu engagieren, noch eine Zusage zu geben, ein ganzes Jahr lang für eine Aufgabe zur Verfügung zu stehen.

"... Wenn ich von Erwachsenen unterstützt, aber nicht bevormundet werde, wenn ich einen Ansprechpartner habe"

Jugendliche mögen es wenig, von Erwachsenen Vorschriften gemacht zu bekommen. Gleichzeitig wollen sie Erfolgserlebnisse bei der Tätigkeit haben und auch etwas für die eigene Zukunft daraus lernen. Fragen, Probleme, Unsicherheiten, die während der Tätigkeit auftreten und auch in ihrem allgemeinen Gehabe zukünftig relevant werden können, sollen von den erwachsenen Betreuenden aufgenommen und ihnen sachlich begegnet werden. Weder Überheblichkeit noch Genervtheit von Seiten des/der Erwachsenen entspricht den Bedürfnissen der Jugendlichen.

"... wenn die Tätigkeit angemessen gewürdigt wird und einen persönlichen Gewinn für mich darstellt"

Anerkennung und Lob sind Würdigungen, die nicht besonders bedeutsam sind. Wichtiger ist es vielen Jugendlichen, dass die Würdigung darin besteht, dass für die*den Jugendliche*n selbst, für die Gleichaltrigen und für die Gesellschaft bedeutsame Verbesserungen der Situation zu erkennen sind. Das eigene Engagement trägt dazu bei, dass man selbst und andere Menschen zufriedener sind, dass ein Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden konnte usw. Ziele zu verwirklichen hat größere Bedeutung als eine Auszeichnung von Erwachsenen zu erhalten.

Der persönliche Gewinn besteht im wachsenden Selbstbewußtsein und in der Chance, für das weitere Leben etwas lernen zu können.

"... wenn ich mit Gleichaltrigen zusammen Spaß bei der Tätigkeit erleben kann"

Spaß als unbestimmtes Schlagwort steht an erster Stelle jeglicher Motivation zu freiwilligem Engagement. Ohne zu wissen, was Spaß genau bedeutet, verweist dieser Begriff darauf, dass es erfüllte Augenblicke mit intensiven Erlebnissen, viel Freude und wenig Streit und Langeweile sein müssen. Dass Freunde/innen mitmachen ist ebenso wichtig wie dabei neue Freund/innen kennenlernen zu können. Aber ausschließlich mit Gleichaltrigen zusammenzuarbeiten ist kein vorrangiges Motiv.

"... wenn ich an Fortbildungen teilnehmen kann"

Angesichts dessen, dass Jugendliche Wert darauf legen, eigene Fähigkeiten einbringen zu können und dabei auch etwas Wichtiges fürs weitere Leben lernen wollen und zu aller erst, dass sie erfolgreich Ziele erreichen wollen, erhalten Fortbildungen einen großen Stellenwert. Fortbildungen ermöglichen darüber hinaus das Kennenlernen anderer Gleichaltriger und werden als eine Art Würdigung der eigenen Tätigkeit durch den Verein verstanden. Schließlich kostet eine Fortbildung Geld, die der Verein bezahlt.

Anforderungen an Erwachsene bei der Betreuung jugendlicher freiwilliger Mitarbeiter/innen

Das Maß der Verantwortung muss schrittweise und altersgemäß gewählt werden. U. a. aufgrund rechtlicher Erwägungen dürfen Minderjährige nicht zu früh mit zu hohen Verantwortungen konfrontiert werden. Gleichzeitig aber wollen Jugendliche sich erproben und eigenverantwortlich handeln. Es bedarf viel Fingerspitzengefühl und es handelt sich um eine Gratwanderung der Erwachsenen, hier das richtige Mittelmaß zu finden.

Es muss unbedingt vermieden werden, Jugendliche zur Hilfsarbeit zu degradieren, sie z.B. den Geräteauf- und -abbau organisieren und das Aufwärmtraining (zumeist unbeliebt) durchführen zu lassen, während der*die erwachsene Übungsleiter*in die attraktiven Übungsstundenteile leiten darf. Solcherart behandelte Jugendliche werden sich unter Umständen bald ausgenutzt fühlen und ihre Mitarbeit einstellen.

Jugendliche Mitarbeiter*innen wollen angemessen unterstützt werden. Dazu gehören regelmäßige Vorbereitungs- und Auswertungsgespräche zwischen den erfahreneren Übungsleitern/innen und den Jugendlichen, die in einer Atmosphäre gegenseitigem Respekts stattfinden sollen, das Angebot der Unterstützung bei auftretenden Problemen sowie die Teilnahme an allen Übungsleiter*innen-Sitzungen. Diese Form der Unterstützung gilt nicht nur für den Übungsbetrieb, gleiches muss auch in der Zusammenarbeit mit jugendlichen Betreuer*innen in Ferienfreizeiten und bezüglich der Mitarbeit im Jugendausschuss umgesetzt werden.

Jugendlichen Mitarbeiter*innen sollen regelmäßige Fortbildungs-/ Qualifizierungsangebote unterbreitet werden - sowohl auf Vereinsebene als auch im Rahmen von Gruppenhelfer/innen- und Jugendsprecher*innen-Lehrgängen der Fachverbands-, Stadt- und Kreissportbund-Jugend und Landessportbund.

Jugendliche wollen für ihre Mitarbeit angemessen "entlohnt" werden. Dazu gehört selbstverständlich auch eine finanzielle Entschädigung, die sich an den Verdienstmöglichkeiten typischer Schüler*innen-Jobs (Nachhilfe, Prospekte verteilen, Babysitten) orientieren soll. Bei der Höhe der Entlohnung soll aber das "Wesen des Vereins" berücksichtigt werden, d.h. das Prinzip, dass freiwillige Leistungen notwendig sind zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit. Auch Jugendliche sollen ihren Anteil dazu beitragen, da sie in der Vergangenheit ja selbst von der Arbeit freiwilliger Mitarbeiter/innen profitiert haben.

Ergänzend zu kleinen Geldleistungen soll die "Entlohnung" über den Trainingsanzug, den gemeinsamen Kinobesuch und nicht zuletzt über das Lob bzw. die Anerkennung durch andere erfolgen. Hier kommt den Erwachsenen die Aufgabe der Motivationsförderung zu.

Hier finden Sie Broschüren, Infopapiere und andere Informationen.

Wie funktioiert die Sportförderung in Deutschland?

Eine kleine Link-Übersicht für Sportinteressierte